Gunther Reisinger

Das Internet als Predigt. Eine kunsthistorische Quellendiskussion vor dem Altar des Digitalen

In Hinblick auf Bestrebungen, Online-Bilddatenbanken in die Didaktik einzubinden, scheint es zunächst notwendig, die grundlegende Anwendbarkeit des Informationsmediums Internet zu hinterfragen. Erst als nachfolgender Schritt kann Information in Form größerer Bildbestände auf ihre Quellentauglichkeit überprüft werden. Anhand eines Vergleichs mit der liturgischen Handlung der Predigt soll eine etwas abseitige Metapher genutzt werden, mit dem Ziel zu zeigen, dass sich das Phänomen der gesellschaftlichen Medienhörigkeit auch auf das Medium Internet übertragen lässt. Aufgrund der technischen Komplexität digitaler Informationsnetze und dem Fehlen jeglicher Indexikalität, wie sie beispielsweise bei Fotografie und Fernsehen noch vorhanden ist, mögen für unversierte Rezipienten die Inhalte einer Predigt und die des Internet gleichsam nicht validierbar erscheinen. Bild, Abbild, Original, Kopie oder Simulation sind wenige Termini, deren Klärung in diesem Kontext lohnen würde. Stellvertretend soll dies anhand des zu digitalen Medien und deren Speichermöglichkeiten inflationär gebrauchten Begriffs des Virtuellen und seiner Derivate gezeigt werden. Abschließend soll die These gestärkt werden, dass sich, im Sinne einer kunstwissenschaftlichen Quellentauglichkeit, Realität und Wahrheit im Informationsmedium Internet derzeit nur bedingt und mit spezieller und eigens zu erlernender Medienkompetenz einschätzen lässt.